sternstadt Eine Aktion von stern und Schwäbisch Hall Thesen & Themen Projekte Sternstadt Sehen & Lernen Wer Was Wo
Thesen & Themen Projekte Sternstadt Sehen & Lernen Wer Was Wo
Thema des Monats
Alle Artikel
Kurz-Umfragen
Projekt des Monats
Alle Projekte
Projekt vorschlagen
Was ist sternstadt
Wettbewerb 2006
Wettbewerb 2004
Wettbewerb 2002
Öffentl. Gebäude
Organische Architektur
alle Bildreihen
Forum für Baukultur
  Suchen nach:
 
 
 
Kontakt
Impressum
   
Der sternstadt-wettbewerb 2004
»baut auf uns«


Worum ging es?

Wie möchten Kinder und Jugendliche wohnen?
Was sind ihre Träume, ihre Wünsche?
Und was können die Erwachsenen daraus lernen?

Der stern, die Bausparkasse Schwäbisch Hall und das Deutsche Kinderhilfswerk wollten es wissen und starteten im November 2003 den großen Schülerwettbewerb "Baut auf uns!" unter der Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse.

Beteiligen konnten sich Schüler aller Jahrgänge mit Teamentwürfen oder Einzelprojekten. Die Arbeiten durften privat oder im Unterricht angefertigt werden. Alle Materialien und Techniken waren erlaubt - von der Bleistiftzeichnung bis zum Holzmodell. Insgesamt nahmen fast 5000 Schüler aus 303 Schulen mit 1007 Beiträgen teil.

Die Jury unter Vorsitz des Hamburger Architektur-Professors Gert Kähler wertete in den drei Altersstufen Klasse 1-4., 5-9 und 10-13 nach Originalität und handwerklichem Geschick. In jeder Kategorie gab es drei Hauptpreise: 1500 Euro (1. Preis), 1000 Euro (2. Preis), 500 Euro (3. Preis) sowie Sachpreise für die Plätze 4 bis 10.


Die Ergebnisse sind beeindruckend
Die Kinder und Jugendlichen beschränkten sich keineswegs auf die Forderung nach schöneren Spielplätzen oder besseren Jugendtreffs, sondern beschäftigten sich intensiv mit der Verbesserung ihres gesamten Wohnumfeldes. Fünf Wünsche tauchten in den Entwürfen immer wieder auf:
  • Geselliges Wohnen: Viele Kinder entwickelten Vorschläge, wie Jung und Alt zusammen unter einem Dach wohnen können

  • Klare Orientierung: Städte in ihrer jetzigen Form wirken offensichtlich einschüchternd auf Kinder. Eintönige Häuserblocks mit grauen Fassaden bekommen Leitsysteme mit farbigen Kennungen für Viertel und Häuser, sowie leicht verständliche Wegweiser, die auch Kindern ermöglichen, sich schnell zurecht zu finden.

  • Grünere Städte: Die meisten Kinder und Jugendlichen haben Sehnsucht nach mehr Natur, dennoch will kaum einer der Teilnehmer auf dem Land wohnen. Erstaunlich realitätsnah versuchten viele Jugendliche den Zwiespalt zwischen dem Wunsch nach mehr Grün und den Zwängen eines urbanen Lebens aufzulösen.

  • Größere Freiheiten: Kinder wollen mehr Platz und sie wollen ihn selbst gestalten und keine vorgefertigten Standardlösungen. Der Umbau von Brachflächen oder stillgelegten Fabriken in Erlebnisräume mit Kletterwänden, Freiluftkinos und legalen Graffitiwänden spielte deshalb in vielen Entwürfen die Hauptrolle.


Wer mitmacht, macht nichts mehr kaputt
Fazit:
Für Städteplaner und Architekten enthalten die Ideen aus dem Wettbewerb wertvolle Anregungen und Hinweise. Die Erwachsenen täten gut daran, den Nachwuchs öfter einmal zu fragen. Denn, die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen spart Geld. Erfahrungen in Gemeinden, die eine Beteiligung von Kindern an der Gestaltung der Umwelt ausprobiert haben, zeigen, dass Vandalismus hier kein Thema mehr ist: Wer mitmacht, macht nichts mehr kaputt.

Zusätzlich gab es einen Sonderpreis für Schulklassen. Gesucht wurde die besten Ideen, um die Schule oder das Schulumfeld kinder- und jugendfreundlicher zu gestalten. Es beteiligten sich 75 Klassen mit rund 4000 Schülern.

Für die drei besten Projekte gibt es vom Deutschen Kinderhilfswerk 10 000 Euro (1. Platz), 5000 Euro (2. Platz) und 3000 Euro (3. Platz) sowie aktive Unterstützung bei der Umsetzung in die Praxis.

Palast mit Pool
Male und beschreibe dein Traumhaus - diese Schulaufgabe an die Klasse 3b der Theodor-Heuss-Schule in Sinsheim bescherte dem Wettbewerb eine bunte Mischung aus 25 zum Teil extrem phantasievollen Tuschezeichnungen und ebensoviel Beschreibungen, schwankend zwischen banaler bis trüber Wirklichkeit („So wohne ich jetzt") und rührenden bis wilden Wünschen („So möchte ich wohnen").

Eine wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Beiträge würde zur Fundgrube für die Suche nach den Ursachen sozialer Fehlentwicklungen, bedingt durch das Ausbleiben positiver Anregungen aus dem Wohnumfeld. Zugleich ergeben sich aufschlussreiche Hinweise auf das Entstehen jener immer wieder enttäuschten Wünsche und Träume, die als Fluchtversuche aus der gelebten Banalität gewertet werden müssen. Deutlich wird auch, dass Angst vor Enttäuschung zu einer resignativen Anpassung führt, weil „man ja doch nichts ändern kann".

Es müssen keineswegs immer bedrückende Verhältnisse sein, die von den Kindern als Defizit wahrgenommen werden: bereits der Mangel an Möglichkeiten, durch Erkundung des Wohnumfelds die Gestaltung eigener Lebensräume zu erfahren, wird als Verlust empfunden.

Ohne Anleitung von außen, die eine konstruktive Bewältigung der Situation ermöglichen könnte, erscheint die Rettung in Form phantastischer Einrichtungen: ein Palast mit goldenen Türmen und Rutschen direkt in den Swimmungpool, der durchaus 120.000 Quadratmeter groß sein darf. Auch das Leben im Schloss ist sehr gefragt, denn die Häuser müssen viele Räume haben vom Pflanzen- bis zum Sportzimmer. Tiere gehören unbedingt dazu, am besten ein Stall voll Ponies. Und auf dem Dach ein Garten mit Teich, auf dem man im Winter Schlittschuh laufen kann.

Realistischer dagegen der immer wieder auftauchende Wunsch nach einem bunten Blumengarten und lebendiger farblicher Gestaltung der Wohnungen. Wohnen in der Stadt wird dem Leben auf dem Land vorgezogen, aber die Wohnung soll ruhig sein. Alt und Jung unter einem Dach ist vielen ein ersehnter Ausweg aus dem Schicksal „Kevin, allein zu Haus".

Wie werden alle diese Wünsche wahr?
Sedat, 9, sagt es uns: „Wenn ich gut in der Schule bin kann ich später einen tollen Beruf lernen und verdiene dann viel Geld, damit ich mein Traumhaus bauen lassen kann ..."

Unsere Stadt
Die Klasse 6 der Elly-Heuss-Schule in Wiesbaden überraschte mit einer originellen Idee, für die es einen Sachpreis gab: das Thema ihres Wettbewerbsbeitrags war eine Collage, auf der die Möglichkeiten einer Teilnahme an „Baut auf uns!" beispielhaft im Mittelpunkt stehen.

Dabei ergaben sich viele Überlegungen, Pläne, Arbeitsprozesse für die Vermittlung der vielfältigen Vorstellungen von „unserer Stadt", in der es überaus harmonisch zugeht, weil sich „alle Bewohner kennen und sich gegenseitig helfen".

Anders als in der rauhen Wirklichkeit leben hier viele Großfamilien, so daß „die Kinder nicht allein sind, wenn Papa oder Mama arbeiten".

„Unsere Stadt" zeichnet sich durch viel Grün und idyllische Wasserläufe aus sowie durch einen Autoverkehr, der nicht stört.

Diese Forderungen mögen naiv erscheinen, dokumentieren aber doch elementare Wünsche nach einem Wohnen und Leben, das sich nicht den oft inhumanen Kostenzwängen herkömmlicher Stadt- und Wohnplanungen unterwerfen muss.

Zwar ist das Ergebnis dieses Beitrags kein Generalmodell für zukünftiges besseres Wohnen aber ein deutlicher Hinweis darauf, dass Kinder mit unverstelltem Blick für wahre Notwendigkeiten andere Prioritäten setzen als Erwachsene, die sich aus der Sicht junger Menschen zu schnell resignierend mit eigentlich unannehmbaren Zuständen abfinden.

Zu schön, um wahr zu werden
Die Kunststadt „Wabenhausen" der Klasse 11b des Gymnasiums am Stefansberg in Merzig hat 85 000 Einwohner, die sich gleichmäßig auf acht Wohnviertel verteilen.

Alle Häuser sind selbstverständlich total ökologisch und erzeugen dank Sonnenlicht und -wärme mehr Energie als sie verbrauchen.

Eine intelligente Straßenführung und ein effektives Bus- und Bahnsystem bewahrt die Stadt vor Verkehrsproblemen (Wabenhausen besitzt neben der Straßenbahn sogar ein U-Bahnnetz!).

Es gibt genug Kindergärten und -tagesstätten sowie hervorragende Schulen, eine Fülle von Freizeitangeboten und selbstverständlich ein fleißig besuchtes Stadttheater.

Die bürgernahe Verwaltung und die umfassenden sozialen Einrichtungen machen das Leben in Wabenhausen zum Vergnügen.

Das alles ist ein bisschen zu schön, um wahr zu werden. Und hier zeigt sich eine Problematik, der jugendliche „Stadtplaner" verständlicherweise leicht erliegen: ob Infrastruktur oder Verwaltung, Energieversorgung oder Verkehrswesen, kulturelle und soziale Einrichtungen, Wohnbau oder grüne Lunge, gar zu gern wird das absolute Optimum des theoretisch Möglichen gefordert ohne Auseinandersetzung mit jenen Widrigkeiten, die einer Umsetzung des Gewünschten real im Wege stehen.

Wie kann es gelingen, Idealvorstellungen durchzusetzen?
Doch gerade darauf kommt es an im wirklichen Leben: wie kann es gelingen, Idealvorstellungen durchzusetzen? Hier ist die Schule gefordert: es gilt, Strategien für das Erreichen hochgesteckter Ziele zu entwickeln. Dazu gehört aber auch eine kritische Reflexion der vorgetragenen Wünsche, die gewiss in der Frage enden würde: Ist alles auf einmal nicht ein bisschen viel für den Anfang?

Und die Lehre aus dem Ganzen: wer in kleinen Schritten vorgeht, kommt schneller voran und weiter. Insofern ist die von den Merziger Gymnasiasten erfundene Kunststadt eine echte Herausforderung: mit welchem kleinen Schritt beginnen wir, wenn Wabenhausen wahr werden soll?

Zur Ausschreibung des Wettbewerbs

sternstadt-Wettbewerb 2004
sternstadt Wettbewerb 2004

Worum ging es?


Die Preisträger

    Klasse 1-4

    Klasse 5-9

    Klasse 10-13

Sonderpreis     Kinderhilfswerk